Google vs. Bing?
Bekommt „Google“ mit der Microsoft-Suchmaschine „Bing“ eine ernsthafte Konkurenz?
Alle Welt „googelt“, und niemand denkt ernsthaft darüber nach welche Suchmaschine er für seine täglichen Recherchen im Internet verwenden soll. Google ist für Internetsuche, was UHU für Klebstoff und Tempo für Wegwerftaschentücher ist. Nicht zuletzt deshalb ist Google in den letzten Jahren zu einer der wertvollsten Marken aufgestiegen.
Die Internetsuche ist allerdings der Schlüssel zu einem milliardenschweren Werbemarkt, und deshalb tummeln sich im Schatten des Platzhirschen auch andere Firmen, die sich in der Hoffnung auf ein größeres Stück des wertvollen Kuchens ein erbittertes Match um Marktanteile liefern.
Während Yahoo in den letzten Monaten hauptsächlich Negativ-Schlagzeilen ob schlechter Geschäftsergebnisse und Mitarbeiterentlassungen gemacht hat, nutzt Microsoft die Gelegenheit und schickte am 3. Juni einen (fast) neuen Bewerber in den Ring.
Mit dem Werbeslogan „Bing! is the sound of found“, und der expliziten Positionierung von Bing als „Decision Engine“ statt „Search Engine“ - also „Entscheidungsfindungsmaschine“ statt „Suchmaschine“ - stellt Microsoft auch gleich klar, dass es nicht um rohe Suchgewalt sondern um smarte Ergebnisfilterung und -darstellung geht. Ein kluger Schachzug, um sich nicht der direkten Konkurrenz von Google auszusetzen.
Was bietet Bing dem User?
Aber was hat Bing nun zu bieten, um den einen oder anderen Google-User von seiner Gewohnheit abzubringen und etwas neues auszuprobieren?
Wenn man vorwiegend im deutschsprachigen Internet unterwegs ist, lautet die Antwort derzeit leider noch: wenig.
Wie immer bei Produktneuvorstellungen amerikanischer Firmen liegt das Hauptaugenmerk zunächst auf dem Heimmarkt.
Wer jedoch etwas internationaler orientiert ist und zB die US-amerikanische Startseite einstellt, sieht auf Anhieb, dass Bing versucht die Internetsuche etwas erlebnis- und lehrreicher zu gestalten.
Die täglich wechselnde Hintergrundgrafik ist mit Hotspots versehen, die bei Klick zu thematisch relevanten Suchergebnissen führen. Interessant sind auch die in der rechten unteren Ecke angeführten populären Suchbegriffe für aktuelle Themen.
Wer nach bekannten Persönlichkeiten wie beispielsweise Musikern sucht, wird mit einer Vielzahl an Infos rund um die Person versorgt. So liefert z.B. die Suche nach „Colbie Caillat“ neben den obligatorischen Ergebnislinks auch gleich die passenden Bilder, Liedtexte, Biographien, Konzerttickets, Merchandising-Artikel, Zitate und natürlich Videos.
Qualität der Suchergebnisse?
Bei allen Features und Gimmicks ist die Hauptfrage jedoch immer noch die nach der Qualität der Suchergebnisse. Und hier liegt Bing laut diversen Tests der Fachpresse zumindest nicht mehr weit hinter Google. In Spezialbereichen wie der Bildsuche mit dem Endlosscrolling oder dem Kartenmaterial mit der Vogelperspektive kann Bing sogar gegenüber Google punkten.
Suchmaschinentest
Nun hat man also die Qual der Wahl: Welche Suchmaschine liefert einem persönlich die besten Suchergebnisse?
Unter http://blindsearch.fejus.com/ kann man die drei grossen Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing sebst einem Vergleich unterziehen. Die Ergebnislisten werden dabei „blind“ präsentiert, und erst nach erfolgtem Voting wird angezeigt für welchen Anbieter man abgestimmt hat.
Insgesamt ist Bing also eine durchaus beachtenswerte neue Alternative für die Internetsuche. Und mit der kürzlich verkündeten Kooperation zwischen Microsoft und Yahoo (Bing liefert zukünftig die Suchergebnisse für die Yahoo-Suche) scheint die Zeit für einen ernstzunehmenden Konkurrenten für Google gekommen zu sein.
- Dateien:
TWIMagazin_02-09-Bing.pdf1.1 M





